Ernährungstipps für Leberkranke

Aufgaben der Leber

Als zentrales Stoffwechselorgan des Körpers erfüllt die Leber so unterschiedliche Funktionen wie

> die Herstellung von Eiweißbausteinen (Aminosäuren), Eiweißen (z.B. Blutgerinnungsfaktoren, Albumin) oder Cholesterin und Gallensäuren,

> die Regulierung des Blutzuckerspiegels durch Produktion oder Verbrauch von Traubenzucker,

> die Herstellung und Abgabe von Galle für die Fettverdauung,

> die Entgiftung und Ausscheidung von Abfallprodukten des körpereigenen Stoffwechsels und von Fremdstoffen wie Medikamente und Umweltgifte,

> die Speicherung von Nährstoffen (z.B. Glykogen als Zuckerreserve), Mineralstoffen (z.B. Eisen) oder Vitaminen (z.B. Bitamin B12).



Ernährungstipps für Leberkranke

Die richtige Ernährung bei Lebererkrankungen

Die Erkenntnisse im Bereich der Ernährung bei chronischen Lebererkrankungen haben sich in den letzten Jahren entscheidend verbessert. Heute ist bekannt, dass es keine für alle Patienten gültige "Leberdiät" gibt. Ernährung bei Lebererkrankungen bedeutet nicht "pfundweise Magerquark" oder eine streng fettarme und geschmacklose Schonkost. Ganz klar gilt: Leberschonkost von früher gilt heute als "out". Zumal das Leberzellgewebe über enorme Reserven und große Kapazitäten verfügt, die es ermöglichen, dass die Leber auch bei einem Ausfall großer Areale durch Verletzung oder Erkrankung ihre Funktionen aufrecht erhalten kann.

So wie wir unsere Leber durch falsche Lebensgewohnheiten schädigen können, so können wir umgekehrt auch sehr viel für unsere kranke Leber tun. Oft genügt schon
eine Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten.

Generell sei gesagt: die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan unseres Körpers. Sie ist das wichtigste Organ in unserem Körper. Wie eine kleine chemische Fabrik wandelt sie stoffwechseleigene und stoffwechselfremde Substanzen für die Aufname in unserem Körper um, speichert sie zum Teil und verteilt und reguliert sie zur Weiterverwendung.

Leider wird auch heute noch die große Bedeutung der richtigen Ernährung bei z.B. Leberzirrhose unterschätzt. Die "leberangepasste" Ernährung ist genauso wichtig wie die Einnahme von Medikamenten. Viele Patienten verlassen das Krankenhaus, ohne zuvor hinsichtlich ihrer Ernährung angemessen beraten worden zu sein. Es sollte normalerweise eine ausführliche, individuelle Diätberatung selbstverständlich sein, da ja ansonsten der Patient keine richtige Ernährung einhalten kann.

Ob Sie sich einfach nur leberbewusst ernähren wollen oder ob Sie tatsächlich an einer Lebererkrankung leiden, einige Tipps können helfen, unseren Organismus vorbeugend oder unterstützend positiv zu beeinflussen.

Trinken Sie keinen Alkohol! Alkohol ist der größte Feind der Leber. Durch das Einwirken schädigender Abbauprodukte des Alkohols kann es zu einem bindegewebigen Umbau der Leber (Leberzirrhose) kommen. Außerdem ist das Risiko eines bösartigen Leberkrebs zu entwickeln erhöht. Denken Sie auch an versteckten Alkohol in Pralinen und anderen Gerichten.

Essen Sie 5 mal am Tag Obst und Gemüse. Als Zwischen- oder Hauptmahlzeit stärkt es Ihr Immunsystem und Ihre Leber.

Viele kleine Mahlzeiten statt drei großer. Damit versorgen Sie Ihren Körper kontinuierlich mit Nährstoffen, ohne Ihre Leber durch zu große Nahrungsmengen zu überlasten.

Meiden Sie Nahrungsmittel, die bei Ihnen zu Unverträglichkeiten führen. Das sind zum Beispiel sehr fetthältige Speisen, unreifes Obst oder blähendes Gemüse.

Bringen Sie Abwechslung in Ihren Speiseplan.
So bekommt der Körper fast automatisch alle wichtigen Nährstoffe.

Wählen Sie schonende Zubereitungsarten. Zum Beispiel Dünsten, Garen im Schnellkochtopf und fettarmes Braten in beschichteten Pfannen. So gehen Ihnen die wichtigen Inhaltsstoffe und Vitamine Ihrer Nahrung nicht verloren!

Essen Sie immer langsam und bewusst. Vermeiden Sie auch, zu heiße oder zu kalte Speisen zu sich zu nehmen.

Verwenden Sie möglichst frische Zutaten. Hier sind fast alle Nährstoffe noch enthalten und Sie können Ihren Körper vor der Belastung durch faule und schimmelige Nahrung schützen. Diese Gifte sind für die Leber sehr schädlich. Verzichten Sie möglichst auf Fertigprodukte.

Achten Sie auf die Herkunft Ihrer Nahrungsmittel. Viele Nahrungsmittel sind durch die industrialisierte Massenproduktion mit Gift- und Fremdstoffen belastet. Gönnen Sie sich deshalb so oft wie möglich Bioprodukte aus biodynamischem Anbau. Das ist besonders wichtig für Leberkranke!







 

Mangelernährung

Mit fortschreitender Lebererkrankung werden die Auswirkungen auf den Ernährungszustand immer deutlicher: Typischerweise kommt es einerseits zu einem Verlust an Muskelmasse und Unterhautfettgewebe und andererseits zu einer stärkeren Wassereinlagerung (Aszites,Ödeme).

Nicht selten zeigt in dieser Situation trotz einer schweren Mangelernährung das Körpergewicht normale Werte an, weil die Körperzusammensetzung erheblich gestört ist: Einem Mangel an wertvoller Körpermasse (z.B. Muskulatur) steht ein Überfluss an nutzlosem Ballast (Bauchwasser, Gewebswasser) gegenüber.

In vielen Fällen tritt zu dieser kombinierten Eiweiß- und Energiemangelernährung noch ein Vitamin- und Spurenelementmangel hinzu. Folgen der Mangelernährung sind u.a. körperliche Schwäche, Störung des Immunsystems und eine Verschlechterung der Leberfunktion.

Mit folgenden Maßnahmen können Sie einer Mangelernährung begegnen:

> ausreichende Zufuhr von Energie (35kcal pro kg Körpergewicht täglich)
> ausreichende Zufuhr von Eiweiß (1,2 - 1,5 g pro kg Körpergewicht täglich)
> ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen
> regelmäßig Ausdauersport zum Erhalt der Muskelmasse
> rechtzeitiger Einsatz von enteraler Nahrungsergänzung
> rechtzeitiger Einsatz von verzweigtkettigen Aminosäuren

Die Umsetzung dieser Empfehlungen erfordert für jeden Kranken eine Umstellung seiner Lebensweise und von daher viel Motivation und Mitarbeit. Dies gelingt umso leichter, je mehr man versteht, weshalb die Empfehlungen gegeben werden und was sie bezwecken.

Daher holen Sie sich Ihre Beratung durch Ihren Arzt oder Diätassistenten.



Energiezufuhr

Ca. 70% der Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose sind mangelernährt. Das Immunsystem von Mangelernährten ist geschwächt. Außerdem kommt es zum Verlust von Körpereiweiß (beispielsweise Abbau von Muskulatur = Katabolie).

Dabei ist zu beachten, dass trotz verminderter Muskelmasse ein erhöhter Fettgewebeanteil vorliegen kann. Die Betroffenen haben einen Bauch (Fettgewebe und/oder Aszites) und dünne Arme und Beine (wenig Muskulatur).

Obwohl sie gut genährt erscheinen, liegen die Ursachen für den schlechten Ernährungszustand in einem Missverhältnis von erhöhtem Energiebedarf (Folge der Lebererkrankung und ihrer Komplikationen)und ungenügender Energiezufuhr (Appetitmangel, Fehlernährung).

Der Energiebedarf lässt sich leicht nach folgender Formel errechnen:

Energiebedarf
Normalgewicht (Körpergröße in Zentimeter minus 100) mal 35 = Energiebedarf in Kilokalorien pro Tag.

Bei dieser Rechnung sind die Energieinhalte alle Nährstoffe berücksichtigt, also auch die von Nahrungseiweiß, welches ja nicht primär als Brennstoff benötigt wird.

Dekompensierte Leberzirrhotiker sollten nicht an Körpergewicht (außer beim Vorliegen einer Aszites) abnehmen. Neben Fettgewebe baut der Körper auch Eiweiß ab. Und das kann zum Auftreten oder einer Verschlechterung der hepatischen Enzephalopathie führen. Beim Abbau körpereigener Substanzen kommt es nämlich zum Anstieg des Ammoniakspiegels. Eine Energieanreicherung kann bei der Leberzirrhose über Fett oder Kohlenhydrate geschehen. Butter sollte den Patienten nicht vorenthalten werden.



Unverträglichkeiten

Sollten Sie unter Unverträglichkeiten Ihrer Ernährung leiden, so versuchen Sie, alle Nahrungsmittel zu meiden, die nach Ihrer persönlichen Erfahrung Beschwerden hervorrufen können. Die individuelle Beratung durch Diätassistenten etc. kann Ihnen dabei helfen.

Es ist möglich, dass Patienten bestimmte Lebensmittel oder Speisen nicht vertragen. Dies ist individuell verschieden. Schematische Verbotslisten und Auflistungen von so genannten allgemein schwer verträglichen Lebensmitteln und Speisen sind wenig hilfreich und sollten nicht ausgegeben werden. Eine Hilfe bei der Feststellung, was für Sie erlaubt oder weniger gut ist, bringt die Führung von Ernährungsprotokollen. Schreiben Sie dazu auf, was Sie essen, führen Sie auf, ob und welche Beschwerden Sie daraufhin hatten. Nach kurzer Zeit werden Sie Ihre eigene Liste erstellen können.

Als Anhaltspunkt finden Sie nachfolgend Nahrungsmittel, die erfahrungsgemäß bei vielen Unverträglichkeiten hervorrufen:

Hülsenfrüchte
rohe Gurken
Weißkohl
Grünkohl
Paprika
Sauerkraut
Zwiebeln
Wirsing
Pilze
Lauch

Kohlsalate
Kartoffelsalat

hartgekochte Eier
Eisbein
stark Gewürztes
Geräuchertes
Frittiertes
Fettes

Wein
Spirituosen
Starker Tee / Kaffee

Nüsse
Sahne
rohes Kern-/ Steinobst

Lassen Sie alle Nahrungsmittel weg, die Sie nicht vertragen können. Verlassen Sie sich nicht auf Bücher, Broschüren oder Meinungen Dritter. Sie müssen selbst feststellen, was Ihnen bekommt und was nicht.



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