AIH = Autoimmunhepatitis

Fakten zur AIH

Die autoimmune Hepatitis ist gekennzeichnet durch einen chronisch verlaufenden Entzündungsprozess der Leber, bei dem Autoimmunprozesse, d.h. die Abwehrreaktion gegen körpereigene Leberzellen, eine wichtige Rolle spielen. Unbehandelt mündet die Erkrankung häufig in einer Leberzirrhose.
Die Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt. Mehr als 90 % der betroffenen Patienten sind weiblichen Geschlechts. In der Altersverteilung finden sich mehrheitlich junge Mädchen in der Pubertät sowie Frauen in den Wechseljahren. Inwieweit diese Hormonschwankungen eine Rolle für die Auslesung der Erkrankung spielen, ist nicht geklärt.

Die Beschwerden sind unspezifisch: Meist dominieren Müdigkeit, Übelkeit, Schwindel sowie diffuse Abdominalbeschwerden.
Etwa zwei Drittel der Patienten fallen durch eine Gelbsucht auf. Im Stadium der Leberzirrhose können dann Leberhautzeichen, Bauchwassersucht sowie Beinödeme auftreten.
Die Erkrankung kann mit einer Reihe von anderen Immunphänomenen einhergehen, die nicht unmittelbar auf die Leber bezogen werden, insbesondere Regenbogenhautentzündung des Auges, Gelenk- und Muskelschmerzen.

Die Diagnose der Erkrankung wird über Laboruntersuchungen aufgrund einer meist deutlichen Erhöhung der Transaminasen (GOT, GPT) festgestellt. Daneben besteht eine meist charakteristische Erhöhung der Gamma-Globuline in der Elektrophorese sowie die Vermehrung des Immunglobulins G. Die Erkrankung ist exakter zu charakterisieren durch das Auftreten so genannter Autoantikörper, d.h. Abwehrstoffe, die der Körper gegen Leberzellbestandteile bildet.

Durch die Bestimmung der entsprechenden Antikörper können Untertypen der Autoimmunhepatitis sicher diagnostiziert werden. Am häufigsten ist der Typ 1 der Autoimmunhepatitis, gekennzeichnet durch positive antinukleäre Antikörper (ANA). Früher wurde diese Krankheitsform auch als so genannte lupoide Hepatitis bezeichnet. Beim Typ 2 findet man Antikörper gegen Leber-, Nieren-, mikrosomale Antikörper (LKM). Beim Typ 3 findet sich ein Antikörper gegen lösliche Leberantigene (SLA).

In der Abgrenzung zu anderen Hepatitis-Erkrankungen sind die Virushepatitiden A - E von Bedeutung sowie Erkrankungen, die primär die Gallengänge betreffen wie die primär biliäre Zirrhose (PBC) und die primär sklerosierende Cholangitis (PSC).

Schließlich sind noch Speicherkrankheiten wie die Eisen- und Kupferspeicherkrankheit und alkoholbedingte Leberschäden zu berücksichtigen.

Unbehandelt mündet die autoimmune Hepatitis relativ sicher in eine Leberzirrhose.

Die Behandlung besteht in einer hochdosierten immunsuppressiven Therapie, wobei sich einerseits die Gabe von Prednisolon (Cortison) sowie die Kombinationsbehandlung mit Azathioprin (z.B. Imurek, Zytrim, Azafalk, Colinsan) bewährt hat. In den meisten Fällen wird die Cortisontherapie hochdosiert durchgeführt und auf eine niedrige Erhaltungsdosis reduziert. Meistens wird nach zwei bis drei Jahren ein Auslass-Versuch unternommen. Tritt hiernach ein Rückfall der Erkrankung auf, muss die Therapie nach dem derzeitigen Kenntnisstand als Langzeittherapie wieder aufgenommen werden.

Zusammenfassend gilt: die autoimmune Hepatitis ist unbehandelt ein rasch fortschreitendes Krankheitsbild, welches zum Auftreten einer Leberzirrhose führt.
Andererseits spricht die Erkrankung auf die immunsupprimierende Therapie mit Cortison und Azathioprin recht gut an.

Ursachenforschung:
Nach heutigem Wissensstand wird eine Autoimmunhepatitis bei "genetisch prädisponierten" Personen ausgelöst, d.h. diese Personen tragen bereits eine Veranlagung für diese Erkrankung in sich. In der Folge kommt es dann zu einer gestörten Immuntoleranz. Das eigene Lebergewebe wird vom Immunsystem angegriffen. Meistens wird die Autoimmunhepatitis erst im mittleren Lebensalter aktiv.

Die Wissenschaftler sind auch auf der Suche nach sogenannten Triggerfaktoren, d.h. nach Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass die Krankheit tatsächlich auch ausgelöst wird. Sichere Erkenntnisse gibt es zwar noch nicht. In Verdacht stehen:

- Viren : Es könnte sein, dass eine schlummernde AIH durch Viren ausgelöst wird z.B. durch Hepatitisviren A, B oder C - aber auch Masernvirus und andere Erreger.

- Medikamente: "Trigger" können sein: gewisse Schmerzmittel, Cholesterinsenker, Antibiotika oder ganz seltene Impfstoffnebenwirkungen.

- Kräuter: Hier stehen die chinesische Krätermischung Dai-Saiko-to oder die Traubensilberkerze (konsumiert in Form von Medikamenten oder auch als Droge) auf der Liste möglicher auslösender Stoffe.

Wichtig: Ein Auslösen der Autoimmunhepatitis ist nur möglich, wenn die genetische Veranlagung dazu besteht. Umwelteinflüsse ( sogenannte Trigger-Faktoren) oder Infektionen allein lösen keine AIH aus.



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