Knollenblätterpilze

Knollenblätterpilze

Toxische Erkrankungen durch Knollenplätterpilze

Knollenblätterpilze werden beim Pilzsammeln nicht selten mit essbaren Pilzen verwechselt und verursachen nach ihrem Genuss ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, das auch eine schwere Leberschädigung mit einschließt.

Die in Mitteleuropa heimischen Knollenblätterpilze lassen sich im Wesentlichen in drei Arten einteilen:

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)
Weißer Knollenblätterpilz (Amanita verna) und
Spitzkegeliger oder Kegelhütiger Knollenblätterpilz (Amanita virosa).

Pilze aus der Gruppe der Amanita-Arten können überall in Europa zwischen Spätsommer und Herbst gefunden werden. Dabei gehen die meisten schweren Pilzvergiftungen auf den Grünen Knollenblätterpilz zurück. Viel seltener sind die Vergiftungen mit dem Weißen Knollenblätterpilz, auch Frühlingsknollenblätterpilz genannt, der schon im Frühsommer zu finden ist und dem Kegelhütigen Knollenblätterpilz.

Ursache

Der grüne und der weiße Knollenblätterpilz werden meist mit Wald- und Wiesenchampignons verwechselt. Im Gegensatz zu den rosaroten bis schokoladebraunen Lamellen des Champignons, besitzen aber Knollenblätterpilze immer weiße Lamellen, und ihre Stiele sind am unteren Ende knollig verdickt.

Der grüne Knollenblätterpilz wird mit essbaren, grünen Pilzen wie dem Frauentäubling und dem Grünling verwechselt.

Knollenblätterpilze enthalten mindestens 12 chemisch definierbare Toxine (Giftstoffe) aus Aminosäuren, welche im menschlichen Organismus nicht vorkommen. Allein den Amatoxinen ist die gefährliche Giftwirkung beim Menschen zuzuschreiben.

Verlauf

Die verzögerte Giftwirkung des Knollenblätterpilzes ist typisch und gleichzeitig kennzeichnend für seine extreme Giftigkeit. Bis zum Ausbruch der ersten Symptome können 4 bis 12 Stunden verstreichen. In dieser Zeit werden Amatoxine aus dem Darminhalt direkt in das biologische System des Körpers gelangen. Sie führen zum akuten Leberzelltod. Aus den zerstörten Zellen gelangt ein Teil der Amatoxine in die Blutbahn. Die Ausscheidung erfolgt über den Darm. Von dort könnten diese Toxine neuerlich aufgenommen werden und noch intakte Zellen angreifen. Diesen Vorgang nennt man "enterohepatischer Kreislauf".

Im Vordergrund der Symptomatik stehen zunächst:

Übelkeit
Erbrechen
kolikartige Bauchschmerzen
wässrige Durchfälle
Kreislaufzusammenbruch

Die Beschwerden klingen danach für 12 bis 24 Stunden ab. Am zweiten Tag nach dem Pilzverzehr tritt Gelbsucht auf, ferner ein allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit, Desorientiertheit bis zum Koma. Als Zeichen des akuten Leberversagens schließlich Nierenversagen und eine akute Blutgerinnungsstörung.

Die Todesursache bei Knollenblätterpilzvergiftungen ist das akute Leberversagen mit seinen Komplikationsmöglichkeiten (hepatische Enzephalopathie bei Leberkoma, Gerinnungsstörungen, Blutungskomplikationen, Sepsis, hepatorenales Syndrom, eine Kombination aus Leber- u. Nierenversagen.

Mögliche Folgen und Komplikationen

Trotz intensivmedizinischer Behandlung und medikamentöser Therapie ist die Prognose bei schweren Verläufen schlecht, eine akute Lebertransplantation ist häufig unausweichlich.

Die Todesursache bei Knollenblätterpilzvergiftungen ist in der Regel ein Leberkoma und seine Komplikationsmöglichkeiten (hepatische Enzephalopathie, Gerinnungsstörungen, Blutungskomplikationen, Sepsis, seltener eine Urämie).

Behandlung

Die Therapie muss so rasch wie möglich beginnen. Schon bei Verdacht auf eine Knollenblätterpilzvergiftung sollten sofort die medikamentösen Behandlungen beginnen.

Das Ziel therapeutischer Maßnahmen ist, die Toxine aus dem Darm zu entfernen, die Leberzellen zu schützen, Komplikationen zu verhindern, Erleichterung zu verschaffen und das Leberversagen zu verhindern. Eine intensivmedizinische Therapie ist lebensnotwendig.

Die spezielle Behandlung bei einer Knollenblätterpilzvergiftung läuft nach einem bestimmten Schema ab. Die durchgeführten Maßnahmen:

Magenspülung, medizinische Kohle, Duodenalsonde (Ableitung des Inhalts des Zwölffingerdarm durch eine Sonde, welche durch Nase oder Mund eingeführt wird), Silibinininfusionen, der Wirkstoff aus der Mariendistel (Silybum marianum), parallel dazu die Aufrechterhaltung des Elektrolythaushaltes sowie der Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes auch um die Ausscheidung der Giftstoffe über die Nieren anzuregen. Auch Dialysetechniken sind nötig (z.B. Plasmapherese).

Nur die frühzeitige und konsequente Einleitung aller medizinisch notwendigen Maßnahmen kann einen tödlichen Ausgang der Vergiftung verhindern.

Diagnose

Die Diagnose soll möglichst rasch gestellt werden, besser einmal umsonst der Verdacht, als eine zu späte Diagnose.
Um eine Knollenblätterpilzvergiftung feststellen zu können, müssen folgende Untersuchungen gemacht werden:

Die Anamnese:

Informieren Sie den Arzt über das Aussehen der Pilze, wer diese Pilze gegessen hat und wann. Weiterhin, ob noch Reste der Mahlzeit vorhanden sind (aufbewahren!).

Die Symptomatik:

Die Symptomatik ist nicht nur für Knollenblätterpilze typisch, gibt aber wichtige Hinweise.

Die Pilzidentifikation:

Anhand von mitgebrachten Putzabfällen oder Resten der Pilzmahlzeit durch einen Pilzsachverständigen. Veranlasst wird dies durch die Intensivstation, doch wird mit der Therapie nicht auf das Ergebnis gewartet.

Die Laboruntersuchung des Blutes:

gibt Information über das Ausmaß der Leberschädigung und die Komplikationen und wird in kurzen Intervallen wiederholt.

Urinprobe:

Im Harn können Amatoxine nachgewiesen werden.
Vorbeugung

Essen Sie niemals Pilze, die Sie nicht hundertprozentig kennen!

Was Sie selber tun können, wenn Sie befürchten, eine Knollenblätterpilzvergiftung zu haben

Grundsätzlich gilt, dass Pilzvergiftungen, deren Symptomatik mehr als sechs Stunden nach Aufnahme der Pilzmahlzeit beginnen, fast immer auf eine Knollenblätterpilzvergiftung hindeuten. Sollten Sie unter Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Krämpfen und Durchfall nach einer Pilzmahlzeit leiden, suchen Sie sofort das nächste Krankenhaus auf oder rufen Sie die Rettungshilfe.



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