Lebertransplantation

Lebertransplantation

Lebertransplantation

Eine Transplantation wird notwendig, wenn:
sich eine Lebererkrankung im fortgeschrittenen Stadium befindet und eine andere Therapie nicht mehr möglich ist;
ein akutes Leberversagen vorliegt.

Die moderne Medizin ermöglicht zwei Arten der Transplantation:

1. Die Verpflanzung einer ganzen gesunden Leber oder eines Teiles der Leber eines Verstorbenen an den Patienten
2. Die Transplantation eines Teils der Leber eines Lebendspenders (z.B. von einem Verwandten)

An eine Spenderleber werden hohe Ansprüche gestellt, denn nur eine gänzlich gesunde Leber darf zur Transplantation freigegeben werden. Spenderorgane kommen von Menschen, die hirntot sind und auf einer Intensivstation nur noch durch Maschinen am Leben erhalten werden. Beim Hirntod sind bereits sämtliche Gehirnfunktionen ausgefallen und nicht mehr wiederherzustellen.
Spender und Empfänger müssen lediglich in Blutgruppe, Größe und Gewicht übereinstimmen.

Ursache

Folgende Faktoren können eine Organverpflanzung erforderlich machen:

eine ausgeprägte Leberzirrhose, zum Beispiel hervorgerufen durch Hepatitis B, C oder D
Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel eine Hämochromatose
Leberkrebs
ein Verschluss der Lebervenen (Budd-Chiari-Syndrom)
ein plötzliches Leberversagen durch Vergiftungen (z.B. Knollenblätterpilz, chemische Stoffe, Medikamente)

Es gibt aber auch Faktoren, die eine Transplantation unmöglich machen, nämlich:

bestehende, nicht beherrschbare Infektionen
schwere Herz- und Lungenkrankheiten
nicht korrigierbare, angeborene Fehlbildungen
aktueller Drogen- und Alkoholmissbrauch
eine HIV-Infektion

Behandlung und Verlauf

Der ideale Operationszeitpunkt ist, wenn abzusehen ist, dass die eigene Leber nicht mehr lange ihre Funktion aufrechterhalten kann.

Vor dem aufwändigen und zeitintensiven operativen Eingriff müssen mögliche Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen optimal behandelt werden. Eine gynäkologische bzw. urologische Untersuchung wird zusätzlich empfohlen. Potenzielle Infektionsquellen wie beherdete Zähne, Nasennebenhöhlen und Harnwege müssen saniert, der Impfstatus überprüft und nach Bedarf ergänzt werden (Hepatitis A-, Hepatitis B-, Grippeschutzimpfung). Eine aktive Hepatitis B muss medikamentös unterdrückt werden.

In einem speziellen Transplantationszentrum wird der Organempfänger nochmals einer genauen Ganzkörperuntersuchung unterzogen. Je nach Gesundheitszustand wartet er dann im Krankenhaus oder zu Hause auf eine geeignete Leber.
Der hirntote Organspender wird an das Transplantationszentrum gemeldet. Von dort wird sofort ein Ärzteteam losgeschickt, um das Organ zu entnehmen. Gekühlt und mit einer speziellen Flüssigkeit umspült, ist die Leber dann etwa 20 Stunden "haltbar".
Nach einer nochmaligen Untersuchung wird das Organ in das entsprechende Zentrum gebracht, wo der Leberempfänger meist schon narkotisiert wurde.

Die kranke Leber wird entfernt, indem sie von Arterien, Blutgefäßen und Nerven getrennt wird. Anschließend wird die Spenderleber, je nach Operationsart, eingepflanzt.

Bei der Verpflanzung werden zwei Techniken unterschieden:

Transplantation der Spenderleber und -hohlvene
Zusammenschluss der Spenderhohlvene mit der körpereigenen Hohlvene

In mikroskopischer Feinstarbeit werden Adern, Nerven und Venen des Organempfängers mit denen der neuen Leber zusammengesetzt. In den 7-8 Stunden Operationszeit sind dabei Bluttransfusionen meist unumgänglich.

Damit der Körper das fremde Gewebe toleriert und es nicht zu Abstoßungsreaktionen kommt, müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden (Immunsupressiva). Sie unterdrücken das Immunsystem, weshalb der Körper empfänglicher für Infektionskrankheiten ist.

Nach der Mobilisierung kann bei stabiler Transplantatfunktion die Verlegung von der Intensivstation auf eine normale chirurgische Station erfolgen. Die Entlassung kann, je nach Verlauf und eigenem Wohlbefinden, zwischen 2 und 4 Wochen nach der Operation erfolgen. Für die meisten Patienten ist nach einer Verpflanzung ein Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum sinnvoll, da unter anderem auch der Umgang mit den Medikamenten geübt werden soll.
Im Anschluss an die Nachbehandlungen können die Organempfänger, unter Berücksichtigung der erhöhten Infektanfälligkeit durch die Immunsystemunterdrückung, oft ein normales Leben führen. 60 % aller Transplantierten sind anschließend wieder in ihrem alten Beruf tätig.

Mögliche Folgen und Komplikationen nach der Operation

Trotz bester medizinischer Betreuung kann es, nach einer so aufwändigen Operation wie der Lebertransplantation, zu Problemen kommen, wie:

Blutungen im Bauchraum
Infektionen
Atmungsstörungen durch Verletzung des Zwerchfelles
Die Spenderleber kann durch die Entnahme oder zu lange Transportzeiten Schaden genommen haben und nach der Verpflanzung nicht mehr richtig "funktionieren"
Abstoßungsreaktionen, die sich durch Bauchschmerzen, Fieber oder Gelbsucht äußern
Wiederauftreten der Grundkrankheit, die zum Leberversagen geführt hat

Diagnose

Der Grund zur Anwendung einer Lebertransplantation liegt vor, wenn der Zustand des Patienten und die Befunde eine nicht behandelbare Einschränkung der Lebenserwartung anzeigen. Dafür gibt es ein spezielles Klassifizierungssystem, welches auch die Dringlichkeit für die Reihung berücksichtigt (MELD-Score). Spezielle Untersuchungen schließen die Möglichkeit aus, eine andere Form der Behandlung wählen zu können. Alkoholabstinenz muss gewährleistet sein.
Danach wird der Patient auf der Warteliste gereiht und die sofortige Verständigung sichergestellt (z.B. durch ein spezielles Mobiltelefon).
Die durchschnittliche Wartezeit auf ein neues Organ beträgt 6-12 Monate. Akutpatienten oder Patienten mit einer plötzlichen Verschlechterung ihres Zustandes werden als "high urgent" (hohe Dringlichkeit) geführt. Das nächste passende verfügbare Organ wird dann zugeteilt.

Vorbeugen

Um chronischen Krankheiten vorzubeugen, die in Folge zu einer Lebertransplantation führen können, ist eine Früherkennung maßgebend und besonders wichtig.

Was Sie selber tun können, wenn Sie eine Lebertransplantation haben/hatten:

Eine spezielle Diät ist nicht erforderlich, dennoch sollten ein paar Ernährungstipps eingehalten werden:
Vermeiden Sie unbeabsichtigten Gewichtsverlust.
Achten Sie auf Ihre Ernährung! Da Ihr Körper geschwächt ist, belasten Sie ihn nicht zusätzlich mit stark fetthaltigen und übermäßig gesalzenen Speisen.
Essen Sie Gekochtes, Vollkornprodukte und leicht verdauliche Nahrung.
Alkohol und Tabak sind zusätzliches Gift für Ihren Körper!

Tipps für Reisende:

Vor und nach einer Transplantation ist besondere Vorsicht bei Auslandsreisen geboten. In manchen Ländern ist der hygienische Standard schlecht. Ihr Immunsystem ist geschwächt und daher anfälliger für Erkrankungen, die zum Beispiel durch Keime von verunreinigtem Wasser übertragen werden.



"Cook it, boil it, peel it or forget it!" - Nahrung vor dem Verzehr kochen, Obst und Gemüse schälen oder darauf verzichten!

Baden Sie nicht in tropischen Gewässern und laufen Sie nicht barfuss - durch kleinste Hautabschürfungen können Keime eindringen und Infektionen verursachen.

Achten Sie unbedingt auf einen ausreichenden Sonnenschutz! Immunsuppressive Medikamente können in Kombination mit intensiver UV- Bestrahlung zu schweren Hautreaktionen führen und erhöhen das Hautkrebsrisiko.

Tragen Sie immer die Botschaftsadresse, Ihren Transplantationsausweis mit Adresse und Telefonnummer des Transplantationszentrums mit sich!
Allgemein:

Nehmen Sie sich für alles genügend Zeit. Vermeiden Sie Stress und Aufregung!
Beginnen Sie nach einer Erholungsphase langsam und regelmäßig mit Ausdauersport.
Verzichten Sie auf ungeschützte Intimkontakte!





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