NASH und ASH

Fakten zu NASH und ASH

NASH (nicht-alkoholische Steatohepatitis)
ASH (alkoholische Steatohepatitis)


Zu den vielen Aufgaben der Leber gehören die Umwandlung von Kohlenhydraten und Eiweiß in Fett, die Bildung von Transporteiweißkörpern für Fette, die es ermöglichen, dass wasserunlösliche Fette im Blut transportiert werden können, und die Speicherung von Stoffen, u.a. bei einem Überangebot auch von Fett.

Kohlenhydrate und bei der Verdauung aus Eiweißen freigesetzte Aminosäuren und Alkohol werden aus dem Darm resorbiert und über die Pfortader direkt der Leber zugeführt.
Alkohol hat bei dem Abbau in der Leber eine bevorzugte Stellung, d.h. selbst bei einer schwer geschädigten Leber wird Alkohol mit normaler Geschwindigkeit abgebaut.

Da Alkohol aber auch sehr kalorienreich ist, kann die Leber bei einem großen Angebot gar nicht die freigesetzten Energiemengen abtransportieren, daher müssen diese in irgendeiner Form zwischengespeichert werden. Die Umwandlung in Fett geschieht.
Dieses Fett wird in den Leberzellen abgelagert, zunächst tropfenförmig, dann die ganze Zelle ausfüllend. Bei einer voll ausgebildeten Fettleber ähnelt das Bild der Leber unter dem Mikroskop Fettgewebe.

Unter der Last der Fetteinlagerung können einzelne Leberzellen zusammenbrechen. Sie sterben ab, dieses löst eine Entzündung in der Umgebung aus, es entsteht eine Fettleberhepatitis. Schreitet diese weiter fort, so kann sich aus der Fettleberhepatitis eine Leberzirrhose entwickeln.

Frühere Lehrmeinung war, dass dieses Fortschreiten einer Fettleber zur Fettleberhepatitis und zur Zirrhose nur bei einem Alkoholmissbrauch geschieht. Nach dieser überholten Lehrmeinung sollte beispielsweise eine Fettleber bei Diabetes nicht zur Fettleberhepatitis sich entwickeln können. Heute wissen wir aber aus Beobachtungen aus armen Ländern schon lange, dass durch Fehlernährung sich auch eine Fettleberhepatitis entwickeln kann.

Da also nicht nur Alkohol, sondern auch Über- und Fehlernährungen eine Fettleberhepatitis auslösen können, es aber für eine Behandlung wichtig ist, nach der Ursache zu unterscheiden, sprechen wir heute auch von ASH (alkoholische Steatohepatitis) und NASH (nicht-alkoholische Steatohepatitis) (Steatosis hepatis = Fettleber, Steatohepatitis = Fettleberhepatitis).

Bei ASH interessiert, wie viel Alkohol eine gesunde Leber bei sonst normaler Ernähung pro Tag noch vertragen kann, bevor es zu einer ASH kommt.

Wenn Alkohol aber nicht die Ursache für eine Fettleber ist, welches sind dann die Ursachen für eine NASH?

Starke Adipositas (erhebliches Übergewicht)
Diabetes mellitus (bevorzugt Typ II)
Jejunoilealer Bypass (Ausschaltung von Dünndarmschlingen früher zur Behandlung bei extremer Adipositas ausgeführt)
Blind- loop-syndrom (Ausschluss einer Darmschlinge, so dass sich ein Blindsack ausbildet, der durch Bakterien fehlbesiedelt werden kann)
Total parenterale Ernährung (künstliche Ernährung über einen venösen Verweilkatheter. Die Nährlösungen sind besonders kohlenhydratreich oder enthalten reichlich Zuckeralkohole)
Langdauernde Behandlung mit bestimmten Medikamenten (Cortison in hoher Dosierung, Amiodarone, Tamoxifen, Tetrazykline u.a.)

Eine besondere Bedeutung kommt dem sog. metabolischen Syndrom zu. Hierunter versteht man eine Kombination von Übergewichtigkeit, zu hohem Blutdruck, Vermehrung der Blutfette (sowohl Cholesterin als auch Neutralfette (Triglyzeride)), Diabetes mellitus (Typ II). Das metabolische Syndrom ist gekennzeichnet durch die Gefährdung durch Herzinfarkte und andere arterielle Gefäßerkrankungen (Schrumpfniere, Schlaganfall).
Und bei einem metabolischen Syndrom sehen wir auch häufig eine NASH.

Welche Beschwerden lösen ASH und NASH aus:
Beschwerden können fehlen oder sowohl uncharakteristisch wie auch gering sein: Völlegefühl im Bauch, leichter Druck im rechten Oberbauch, Inappetenz, Abneigung gegen blähende oder zu fette Speisen, leichte Ermüdbarkeit, Nachlassen der Leistungsfähigkeit.

Wie wird die Diagnose gestellt:
Neben dem Abtasten der Leber - vergrößert und leicht druckempfindlich - zeigt die dann folgende Ultraschalluntersuchung: eine "helle Leber", d.h. eine Vermehrung der Binnenreflexe der Leber. Im Stadium der Hepatitis sieht man eine gleichmäßige "Aufhellung" des Bildes, erst später, wenn sich eine Leberzirrhose entwickelt hat, kann das Binnenecho der Leber unregelmäßig sein.
Bei den Laboruntersuchungen müssen andere Lebererkrankungen ausgeschlossen werden: Chronische Virushepatitiden, M. Wilson, Hämochromatose u.a. Im Blut sind die Transaminasen bei Steatohepatitis leicht erhöht. Bei ASH überragt die Erhöhung der SGOT diejenige der SGPT, bei NASH ist es meist umgekehrt. Die gamma-GT ist bei ASH besonders stark erhöht.
Es muss aber deutlich festgestellt werden, dass die Laboruntersuchungen nur Hinweise auf eine ASH und NASH geben können. Ein eindeutiger Beweis kann durch eine Leberpunktion erbracht werden.

Warum sollen ASH und NASH behandelt werden:
Klare Antwort: es kann sich eine Leberzirrhose entwickeln, die, wenn sie einmal eingetreten ist, nicht mehr rückbildungsfähig ist, sondern bestenfalls in ihrem Fortschreiten verlangsamt werden kann.

Die Therapie ist bei ASH im Prinzip eindeutig: Es ist absolute Enthaltsamkeit bei Alkohol notwendig. Zusätzlich Vitamine, insbesondere Folsäure, können gegeben werden, sind aber letztlich bei eindeutiger Alkoholkarenz und normaler Ernährung nicht notwendig.

Bei der Behandlung der NASH steht die Ernährung ganz im Vordergrund. Sie soll ausgewogen sein, d.h. wenig Fett, reichlich Eiweiß, mäßig Kohlenhydrate, viel Obst und Gemüse enthalten. Bei den Kohlenhydraten sind leicht resorbierbare Süßigkeiten zu meiden.

Ernährungsempfehlungen bei NASH (auch anwendbar bei ASH)

Brot und Backwaren: Brötchen, Knäckebrot, Vollkornbrot. Nicht zu empfehlen: frisches Brot, Sahnetorten, Fettgebackenes
Fette: Pflanzenmargarine und Öle, wenig Butter
Fisch: fettarme Sorten; nicht fetthaltige wie Aal, Hering, Makrele, Ölsardinen.
Fleisch: mager, Huhn, Rind, magerer Schinken; kein Speck, Paniertes oder scharf Gebratenes.
Gemüse: Karotten, Brokkoli, Spargel, Fenchel, Spinat, Tomaten; nicht Zwiebel, weniger Hülsenfrüchte
Milch sollte fettarm sein
Kartoffeln: Püree, kein fetthaltigen Pommes oder Bratkartoffeln
Obst: sehr reichlich!

Prinzipiell ist die Behandlung einer NASH schwieriger als die einer ASH. Letztlich ist oft gar nicht ganz eindeutig, welches die Ursache ist, ob nicht doch zusätzlich ein Alkoholmissbrauch vorliegt.

Welche Bedeutung haben igenetische Faktoren?

Neben den genannten allgemeinen Ernährungsempfehlungen, die letztlich auch für eine ASH gelten, bleibt die Behandlung beschränkt auf die Begleitsymptome:

Optimale Betreuung des Diabetes mellitus, medikamentöse Therapie gegen die erhöhten Blutfette, insbesondere gegen den Gefäßrisikofaktor Cholesterin sowie Kontrolle des erhöhten Blutdruckes. Das Gewicht muss unbedingt reduziert werden. Die Ernährung soll aber nicht nur kalorienreduziert sein, sie muss auch ausgewogen bleiben.

Die Bedeutung einer weiteren (also nicht nur gegen Blutfette und Hochdruck gerichteten) medikamentösen Therapie ist umstritten. Die meisten Fachleute sind der Ansicht, dass die Gabe von früher gerne so bezeichneten "Leberschutzpräparaten", etwa Orotsäurehaltigen Präparaten, Vitaminpräparaten, S-Adenosylmethionin, nicht notwenig ist. Diese medikamentöse Zusatztherapie kann zwar nicht direkt schaden, lenkt aber oft ab von der Erkenntnis, dass eine Regulierung der Lebensweise und eine "vernünftige Ernährung" das A und O jeder Behandlung sind.

Unbestritten ist, dass ASH häufig zur Leberzirrhose fortschreitet ebenso wie die NASH.

Zusammenfassung:
Der Wohlstand führt zu einer Erhöhung des Alkoholkonsums, zu einer Überernährung, oft verbunden mit Fehlernährung, d.h. das Verhältnis der einzelnen Nahrungsbestandteile wie Fett, Kohlenhydrate und Eiweißkörper zu einander. Ein Vitaminmangel kann hinzukommen, genau so wie Mangel an Bewegung.

Alkohol und Fehl- und Überernährung begünstigen die Entwicklung einer Fettleberhepatitis (ASH und NASH), aus der sich wiederum eine Leberzirrhose entwickeln kann. Daher ist eine frühzeitige Diagnose, die Erkennung der Ursachen und ihre Beseitigung wie auch bei der NASH die optimale Therapie der Begleitkrankheiten wichtig. Die Ernährung hat hier einen sehr hohen Stellenwert. Sie sollte fettarm, kohlenhydratbeschränkt, Eiweißreich sein. Ballast, Gemüse und Obst sind wichtig.



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