Neue Heilungschancen für HepC

Neue Medikamente mit der Triple-Therapie

Neue Hoffnung für chronisch Hepatitis-C-Erkrankte

Meilensteine in der Hepatitis-C-Therapie

Vor Jahren fast für unmöglich gehalten, doch heute scheint vieles möglich zu sein: mit einer interferon-freien Therapie mit deutlich geringeren Nebenwirkungen und einer kürzeren Therapiedauer eine hohe und wirksame Heilungschance bei Hep C zu erzielen.

Seit Anfang September sind für die Hep C-Genotypen 1, 2, 3 und 4 interferon-freie Therapien allgemein verschreibbar, bei den Genotypen 5 und 6 ist dies bislang nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Zwei weitere hochpotente Kombinationstherapien werden in den kommenden Monaten erwartet.

Der Wermutstropfen: die neuen Medikamente sind sehr teuer und noch nicht uneingeschränkt verfügbar. Aufgrund der hohen Arzneimittelpreise regt sich Widerstand bei einigen Krankenkassen. Selbst Fachärzte befürchten Regressforderungen, falls diese nicht jede einzelne Verschreibung für die Krankenkasse überzeugend begründen.

Im Raum stehen Therapiekosten von oft mehr als 100 Tsd. Euro, in seltenen Fällen sogar mehr als 200 Tsd. Euro für entsprechende Kombinationstherapien.

Neu zugelassene Substanzen:

Sofosbuvir, Simeprevir und Daclatasvir

Im Januar kam Sofosbuvir („Sovaldi ®“), im Mai folgte der Proteasehemmer Simeprevir („Olysio ®“), Ende August wurde der NS5A-Hemmer Daclatasvir („Daklinza ®“) zugelassen. Diese Substanzen sind in verschiedenen Kombinationen verfügbar, zum Teil noch mit, immer häufiger aber ohne Interferon und Ribaverin. Die neuen Substanzen scheinen deutlich weniger Nebenwirkungen zu haben als die bisher verfügbaren Interferon-Therapien.

Welcher Patient welche Kombination erhalten kann, ist je nach Virus-Genotyp, Therapievorgeschichte und Krankheitsstadium sehr unterschiedlich geregelt.

Wichtig zu wissen: der HCV-Genotyp

Bevor Patienten mit ihren Ärzten eine Therapie beginnen, müssen sie zunächst wissen, welchen Genotyp des Hepatitis-C-Virus sie haben. Sechs verschiedene Genotypen sind bei Hep c bekannt, die sich jeweils noch in mehr Subtypen aufteilen. Diese Virustypen sprechen sehr unterschiedlich auf verschiedene Wirkstoffe an. Was bei dem einen Genotyp wirksam ist, kann bei dem anderen Typ unwirksam sein. Deshalb ist es wichtiger denn je, die Medikamente an jeden einzelnen Patienten anzupassen. Auch ist jede Hep-C-Therapie immer eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen. Dies ist notwendig, um das schwer angreifbare C-Virus potent eliminieren zu können.

Zugelassene Therapien für Genotyp 1:

Interferon-frei:

Daclatasvir + Sofosbuvir (12 – 24 Wochen)

Simeprevir + Sofosbuvir +/- Ribaverin (12 Wochen) = nur bei dringendem Behandlungsbedarf und gleichzeitiger Interferon-Unverträglichkeit

Sofosbuvir + Ribaverin (24 Wochen) = nur bei dringendem Behandlungsbedarf und gleichzeitiger Interferon-Unverträglichkeit

Mit Interferon:

Sofosbuvir , Peg-Interferon + Ribaverin (12 Wochen)

Simeprevir, Peg-Interferon + Ribaverin (24 – 48 Wochen) = laut aktuell verfügbarer Empfehlungen des DGVS und bng nicht mehr empfohlen

Telaprevir, Peg-Interferon + Ribaverin (24 – 48 Wochen) = laut aktuell verfügbarer Empfehlungen des DGVS und bng nicht mehr empfohlen

Boceprevir,Peg-Interferon + Ribaverin (28 – 48 Wochen) = laut aktuell verfügbarer Empfehlungen des DGVS und bng nicht mehr empfohlen

Peg-Interferon + Ribaverin (24-48 Wochen) = allgemein nicht mehr empfohlen


Zugelassene Therapien für Genotyp 2

Interferon-frei:

Sofosbuvir + Ribaverin (12 Wochen)

Daclatasvir + Sofosbuvir (24 Wochen) = derzeit keine klare Empfehlung

Mit Interferon:

Peg-Interferon + Ribaverin (24 Wochen)


Zugelassene Therapien für Genotyp 3

Interferon-frei:

Sofosbuvir + Ribaverin (24 Wochen)

Daclatasvir + Sofosbuvir +/- Ribaverin (24 Wochen) = Empfehlung für Patienten mit Leberzirrhose und/oder behandlungserfahrenen Patienten

Mit Interferon:

Sofosbuvir, Peg-Interferon + Ribaverin (12 Wochen)

Peg-Interferon + Ribaveron (24 Wochen)


Zugelassene Therapien für Genotyp 4

Interferon-frei:

Daclatasvir + Sofosbuvir (12 Wochen)

Simeprevir + Sofosbuvir (12 Wochen) = bei Interferon-Unverträglichkeit

Mit Interferon:

Sofosbuvir + Peg-Interferon + Ribaverin (12 Wochen)

Simeprevir oder Daclatasvir in Kombination mit Peg-Interferon + Ribaverin (24 bis 48 Wochen)

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Aus Studien bekannte Nebenwirkungen der neuen Hep-C-Medikamente:

Sofosbuvir:
bislang keine auf die Substanz bezogenen eindeutigen Nebenwirkungen

Simeprevir: juckende Hautausschläge; erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut; Atembeschwerden (z.B. bei Anstrengung); Übelkeit; Verstopfung; vorübergehend erhöhtes Bilirubin im Blut

Daclatasvir: Müdigkeit; Kopfschmerz und Übelkeit; trockene Haut; Hitzewallungen

Nebenwirkungen traten in Studien mit den neuen Substanzen seltener auf als unter Interferon, bleiben aber nicht ausgeschlossen. Zu vermuten ist, dass jetzt bei Verschreibungen der neuen Substanzen neue und bisher nicht bekannte Nebenwirkungen auftreten.

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Wechselwirkungen:

Weiterhin wichtig ist, dass Medikamenteninteraktionen beobachtet werden. Zwar gibt es bereits in den Fachinformationen umfangreiche Nennungen, diese sind aber bei Weitem nicht als vollständig anzusehen.

Niereninsuffizienz

Auch die Nierenfunktion muss bei den Medikamenten beachtet werden. Bei schwerer Niereninsuffizienz liegen in der Regel noch keine Erfahrungen vor.




Was mit den anderen Genotypen 2 - 6?

Wie Sie gelesen haben, sind die neuen DAA-Substanzen Boceprevir und Telaprevir nur beim Genotyp 1 zugelassen. Beim Genotyp 2 wirkten schon bisher Peg-Interferon und Ribavirin gut. Beim Genotyp 3 und 4 hingegen war die Wirkungsweise von Boceprevir und Telaprevir nicht besonders. Somit scheiden diese Substanzen aus der weiteren Erforschung für andere Genotypen außer beim Typ 1 aus.

Allerdings lassen neuere Substanzen für die Zukunft hoffen z.B.:

- Alisporivir /Deb025 wirkt gegen die Genotypen 1-4;
- TMC-435 gegen die Genotypen 1,2,4,5 und 6;
- Mericitabine gegen Genotypen 1- 6;
- PSI-7977 gegen die Genotypen 1 - 6.

Erfragen Sie in Ihrer Leberambulanz oder Schwerpunktpraxen, ob dort gerade Studien laufen und für neue Teilnehmer noch offen sind. Lassen Sie sich ausführlich über Chancen und Risiken beraten. Vergessen Sie hierbei nicht, ganz gezielt nach Neben- und Wechselwirkungen zu fragen.

Eines ist sicher, es werden noch Jahre für neue Medikamentenzulassungen vergehen.




 

Virus Hepatitis B

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