Patientenfragen zu Lebererkrankungen

Krankheitsbild

Ich bin als Patient oft unsicher, ich verstehe den Arzt oder das Krankheitsbild nicht. Wie soll ich mich verhalten, um ihn nicht zu verärgern, zumal er so wenig Zeit hat?

Hier gilt auch von unserer Seite: wenn Sie einen Begriff nicht verstehen oder unsicher sind, so bitten Sie Ihren Arzt um Aufklärung. Es gibt keine Frage, die Sie Ihrem Arzt nicht stellen "dürfen". Auch wenn es manchmal schwer fällt, stellen Sie Ihre Frage.

Denn nur so kann sich mit der Zeit ein optimales Arzt / Patientenverhältnis entwickeln.

+++++

Besteht die Möglichkeit, dass die Diagnose falsch ist?

Leider kann es vorkommen, dass ein Antikörpertest falsch positiv anzeigt (seltener umgekehrt), daher ist ein direkter „Virennachweistest“ immer zu empfehlen.

In einem „großen“ Butbild können Antikörper sowie die Leberwerte festgestellt werden. Das ist aber noch keine definitive Aussage. In einem sog. PCR-Test kann das Virus nach Genotyp und Population erkannt werden. Daneben existieren noch weitere Tests wie eine Gewebeentnahme der Leber, um deren Schädigungsgrad festzustellen. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit der Sonographie (Ultraschall) und des Fibroscans (Elastographie)

+++++

Auf welche Art und Weise kann ich diese Krankheit bekommen haben?

Da das Hepatitis C-Virus von Blut zu Blut übertragen wird, sind Infektionswege wie Nadeltausch bei Drogenkonsum, Tätowierungen oder Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal häufig. Blutkonserven werden seit 1990 auf HCV untersucht und deshalb ist hier eine Infektion fast ausgeschlossen. Allerdings vor 1990 war dies anders.

+++++

Kann ich andere anstecken? Wenn ja, wie minimiere ich das Risiko?

Normalerweise kann im Rahmen der täglichen Hygiene das Virus nicht übertragen werden. Der Betroffene sollte seine Hygieneartikel wie Einmalrasierer und Zahnbürste sowie Utensilien für die Maniküre und Pediküre separat nutzen, um bei eventuellen Verletzungen und den daraus entstehenden Blutverunreinigungen am Gerät und somit letztendlich der daraus entstehenden Infektionsgefahr vorzubeugen. Die sexuelle Übertragung ist gering und liegt unter 3%. Eine Co-Infektion mit HIV erhöht allerdings das Risiko der sexuellen Übertragung.

+++++

Gibt es Organisationen, die mehr Information über meine Krankheit oder Hilfe bei Problemen anbieten können, die sich aus meiner Krankheit ergeben?

Das können lokale Selbsthilfegruppen wie unsere "Hepatitis Selbsthilfegruppe Kreis Heinsberg.de - auch über Internet= www.hepatitis-heinsberg.de" sein, an die Sie Ihr Arzt verweisen kann. Er kann Ihnen auch bestimmte medizinische Zentren und Forschungseinrichtungen empfehlen. Er kann Ihnen Quellen zusammenstellen, wo Sie Information über Ihre Krankheit finden, oder Ihnen sagen, wer Informationen oder experimentelle Therapien anbietet.

+++++

Welche Behandlungen (Therapien) stehen zur Verfügung, um diese Krankheit zu bekämpfen?

Zur Zeit gibt es in Deutschland die Möglichkeit der Kombitherapie mit den Medikamenten Ribavirin und Interferon sowie seit kurzem eine Tripletheraie mit zusätzlich Boceprevir und Telaprevir. Hierzu unsere Artikel "Neue Heilungschancen".

+++++

Wenn ich die Therapie nicht vertrage oder sie sich als unwirksam herausstellt - gibt es dann Alternativtherapien?

Nein. Zur Zeit gibt es keine alternative Therapie.

+++++

Woher weiß ich, ob ich auf die Behandlung anspreche und wie lange wird diese dauern?

Erklärtes Behandlungsziel ist es, in der 12. Therapiewoche virenfrei zu sein. Dazu wird in regelmäßigen Abständen die Virenlast kontrolliert. Sollte es nicht zu diesem Ergebnis kommen, werden Sie mit Ihrem Arzt besprechen müssen, ob eine Fortführung der Therapie noch Sinn macht oder ob sie abgebrochen werden muss.

Spricht man allerdings nicht auf die Therapie an, dann gilt man als „ Nonresponder“. Hier kann man nach einer Erholungsphase für den Körper die Therapie wiederholen. Es gibt Fälle, in denen erst nach der 3. Therapie Erfolge zu verzeichnen waren.

+++++

Ist eine Transplantation eine Alternative für mich - heute oder zu einem späteren Zeitpunkt meiner Erkrankung?

Über eine Transplantation entscheidet der tatsächliche Zustand ihrer Leber und natürlich die Verfügbarkeit über ein Transplantat. Es ist für sie wichtig zu wissen, dass eine transplantierte Leber nicht den Virus eliminiert. Die Krankheit Hepatitis C besteht weiterhin.

+++++

Warum schmerzt die Leber nicht?

In der Leber befinden sich keine Nerven für das Schmerzempfinden, so dass die Leber selber nicht wehtun kann. Allerdings befinden sich in der Leberkapsel Nervenfasern, die ein Schmerzgefühl auslösen können. Dies geschieht vor allem dann, wenn es zu einer Schwellung der Leber bei bestimmten Lebererkrankungen kommt.

+++++

Hat ein Druckschmerz im Oberbauch eine Bedeutung?

Ein Druckschmerz im rechten Oberbauch kann Zeichen für eine Leberschwellung bei verschiedenen Lebererkrankungen sein. Es ist allerdings zu beachten, dass auch andere Erkrankungen einen solchen Schmerz auslösen können. Hier sind v. a. Erkrankungen im Magen, Zwölffingerdarm und in der Bauchspeicheldrüse zu nennen.

+++++

Kann die Diagnostik unterscheiden, ob die Leberzirrhose durch Alkohol oder Hepatitis entstanden ist?

Patienten mit Leberzirrhose haben häufig mehrere Gründe, warum die Leberzirrhose sich entwickelt hat. So gibt es Patienten mit Hepatitis C, die zusätzlich viel Alkohol getrunken haben oder es gibt Patienten die eine Fettleberentzündung haben und zusätzlich mit einem Hepatitis-Virus infiziert sind. Welcher dieser verschiedenen Gründe am Ende ausschlaggebend war, lässt sich meist nicht mehr bestimmen. Entscheidend ist in jedem Fall, möglichst alle leberschädigenden Mechanismen zu vermeiden oder zu therapieren.

+++++

Kann man mit Ultraschall eine beschädigte Leber erkennen?

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches ist ganz wichtig für Patienten mit erhöhten Leberwerten. Zum einen kann man fortgeschrittene Leberschädigungen bereits direkt im Ultraschall erkennen, zum anderen ist es eine wichtige Vorsorgemaßnahme zur frühzeitigen Entdeckung von Leberzellkrebs. Außerdem erlauben es moderne Geräte, den Blutfluss durch die Leber zu bestimmen, was ebenfalls gute Hinweise auf das Ausmaß eines Leberschadens geben kann. Schließlich kann man im Ultraschall Komplikationen der Leberzirrhose gut erkennen.

+++++

Wie oft muss ich während der Behandlung zum Arzt ?

Ihr behandelnder Arzt wird hierüber mit Ihnen einen genauen Plan aufstellen. Auf jeden Fall aber sollte der Zustand ihrer Leber in einem Abstand eines halben Jahres untersucht werden.

Werde ich in der Lage sein, arbeiten zu können?

Das ist von Fall zu Fall verschieden und hängt von ihrer körperlichen Fitness und der gesamten Konstitution ab. Manche können ohne Einschränkung ihre normale Tätigkeit verrichten. Anderseits sind aber auch Fälle dokumentiert, die über den gesamten Zeitraum der Therapie arbeitsunfähig waren.

+++++

Was ist mit meinen Hobbys, Sport, familiären und sozialen Aktivitäten, auf die die Krankheit eine Auswirkung haben kann/könnte?

Sie sollten natürlich versuchen, ihr Leben so normal wie möglich weiter zu leben. Soziale Kontakte sind weiterhin wichtig. Sofern sie in der körperlichen Verfassung sind und Sport ausüben können, sollten sie das auch tun. Jedoch sollten sie ihre Leistungsgrenze nicht übersteigen.

+++++

Wird die Behandlung meine Stimmungen, mein Gefühlsleben oder meine Sexualität beeinträchtigen?

Ja. Sie müssen mit Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen rechnen. Deshalb ist auch ein stabiles, soziales Umfeld wichtig. Es ist zu empfehlen, sich während der Interferontherapie psychologisch begleiten zu lassen. Oft wird Ihnen der Arzt ein Antidepressiva empfehlen, welches nur für die Zeit der Therapie gegeben wird.
Die Lust auf Sex kann während der Therapie zurückgehen. Bei Männern kann es zu Erektionstörungen kommen. Nach Abschluß der Therapie normalisiert sich aber alles wieder in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten.

+++++

Wie ist Ihre Empfehlung bezüglich Alkohol, Rauchen, Medikamenten?

Natürlich sollten sie alles was ihrer Leber schadet, nicht zu sich nehmen. Bezüglich der Medikamente sollten Sie sich mit ihrem Arzt absprechen.

+++++

Wirken sich Krankheit oder Behandlung auf meine Zeugungsfähigkeit aus?

Es sind keine Auswirkungen bekannt. Wichtig ist allerdings, daß eine Zeugung während und 6 Monate nach einer Therapie ausgeschlossen wird! Denn das Medikament Ribavirin ist erbgutschädigend. Nach Einhaltung dieser Frist bestehen jedoch keine Bedenken.

+++++

Ist allein der GV mit Kondomen ausreichend, um mich vor einer Infektion zu schützen?

Die Gefahr einer Übertragung durch Sex ist sehr gering einzuschätzen. Das Risiko liegt etwa bei 1%. Der nichterkrankte Partner sollte allerdings folgendes berücksichtigen: Mindestens einmal jährlich einen Antikörpertest durchführen - alles tun, um das Immunsystem zu stärken. Ansonsten schützen Kondome genauso wie bei Aids.

+++++

Genügt schon eine kleine Menge Blut für eine Infektion, z.B. kleine Wun¬den oder Kratzer auf der Haut?

Es kommt doch oft vor, daß man kleine Kratzer erst gar nicht bemerkt (sowohl beim HCV-Patient als auch bei der Kontaktperson).
Nach bisherigen Erfahrungen ist hier die Anzahl der Viren im Blut maßgeblich. Je mehr Viren pro ml Blut nachgewiesen werden (Virentiter), umso höher ist das Risiko einer Übertragung. Grundsätzlich ist aber immer wieder zu betonen, dass wir nach wie vor von etwa 40- 50% sog. sporadischer Transmission (=Übertragung unbekannt) ausgehen müssen. In folge dessen sollte NICHTS ausgeschlossen werden und grundsätzlich äußerst sorgfältig mögliche Übertragungsrisiken auszuschließen.

+++++

Wie lange kann das Hepatitis C Virus an der Lüft überleben?

Informationen darüber variieren von 12 Stunden bis 14 Tage; die Forscher sind nach wie vor bemüht, hier eine klare Antwort zu finden.

+++++

Sind in Blutkrusten über Wunden auch Hepatitis C Viren?
So lange Blutkörperchen, in denen sich das HC Virus aufhält, intakt ist, können dort auch Viren vorhanden sein

+++++

Was ist mit den Körperflüssigkeiten?

HCV wurde in allen Körperflüssigkeiten nachgewiesen, doch nur eine Übertragung von Blut zu Blut gilt als gesichert.

+++++

Sind jährliche Kontrolluntersuchungen auf Hepatitis C bei Angehörigen von Hepatitis Patienten sinnvoll?

Unbedingt, wobei ein Antikörpertest (ELISA) genügt.

+++++

Wenn doch die Möglichkeit besteht, daß sich Menschen durch Kontakt mit verseuchtem Blut (z.B. Bluttransfusion) infizieren können, warum ist dann auszuschließen, daß die Viren nicht durch blutsaugende Insekten (z.B. Anopheles: Überträger der Malaria) übertragen werden können?

Die Blutmenge, welche die Mücke von einem HCV Betroffenen evtl. aufnimmt, ist viel zu gering, um den nächsten, den sie sticht, zu infizieren. Zudem werden durch das Sekret das Blut und damit die Zellenstruktur zerstört, in der das Virus überleben kann. Es gibt weder einen epidemologischen noch physischen Nachweis, daß Mücken HCV übertragen.
Jeder Versuch bei dem man in Experimenten nachweisen wollte, ob eine HCV-Replikation in Mücken-Zellen möglich ist, scheiterte.

+++++

Welche Maßnahmen können Sie mir empfehlen zum gesicherten Nachweis einer Infektion meinerseits?

Heute werden serologische Methoden der zweiten Generation („Enzyme Linked Immunosorbent Assay" = HCV-ELISA II als Screeningtest und „Recombinant Immunoblot Assay" = HCV-RIBAII als Konfirmationstest) verwendet. Damit können Anti-HCV-Antikörper durchschnittlich drei Monate nach Exposition mit einer Sensitivität und Spezifität von etwa 90% nachgewiesen werden. Es handelt sich um nicht-protektive IgG-Antikörper, die Üblicherweisejahre- bis jahrzehntelang persistieren, auch wenn die Infektion überwunden ist. Ihr Nachweis läßt deshalb keine Rückschlüsse auf die Aktivität der Hepatitis zu. Empfehlenswert wäre ein qualitativer PCR-Test.

+++++

Man sagt, die Leber verursacht keine Schmerzen. Ich aber habe Schmerzen im Oberbauch. Woran liegt das?

Die Leber selbst hat in ihrem Volumen zwar keine Nerven, die Schmerzempfindungen auslösen könnten. Die Kapsel, die die Leber umschließt, hat aber solche Nerven. Insbesondere eine Schwellung der Leber kann also Schmerzen verursachen.

+++++

Ich habe eine Hepatitis C mit einer Viruslast von 400.000 Kopien/ml. Was sagt mir diese Zahl?

Von einer niedrigen Virusmenge (Virämie) spricht man bei einer HCV-RNA bis 600.000 UI/ml, über diesen Wert spricht man von einer hohen Viruslast, somit sind 400.000 UI/ml also im unteren Bereich anzusehen. Leider sagt die Anzahl der Viren nichts über den tatsächlichen Zustand der Leber aus.

+++++

Haben Sie Informationen zur Verträglichkeit von Interferonbehandlungen bei Jugendlichen?

Bei Kindern und Jugendlichen liegen nur wenige Erfahrungen mit einer Interferontherapie vor, wobei sich die Ansprechraten wahrscheinlich nicht wesentlich von denen der Erwachsenen unterscheiden. Das Alter an sich hat nur eine untergeordnete prognostische Bedeutung für die Ansprechrate auf Interferon, sofern man berücksichtigt, dass bei älteren Patienten gehäuft eine lange Infektionsdauer vorliegt, die die Erfolgsrate reduziert. Das Geschlecht spielt ebenfalls keine wesentliche Rolle, wobei Frauen möglicherweise eine geringfügig bessere Ansprechrate als Männer haben. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass sich Genotypen und Infektionsdauer in verschiedenen Populationen deutlich unterscheiden können.

+++++

Was geschieht, wenn ein Kind transplantiert werden muss?

Es gibt die Möglichkeit, dem Vater oder der Mutter einen Teil ihrer Leber zu entnehmen und diesen Teil dem Kind einzupflanzen.

+++++

Wie lange wird die Behandlung dauern?

Je nach Virentyp dauert die Therapie zwischen 24 und 48 Wochen, unter Umständen auch bis zu 72 Wochen, je nach Genotyp und Ansprechverhalten auf die Medikamente.

+++++

Was kann ich tun, wenn die Therapie erfolglos ist?

Nach einer Pause von mindestens einem halben Jahr kann ein erneuter Therapieversuch gestartet werden. Es muss dann geschaut werden, ob die erste Therapie eventuell nicht ganz optimal dosiert war und kann dann folgernd etwas anders vorgehen.

+++++

In welchen Intervallen muss ich die Medikamente anwenden, wie oft, welche Dosis, zu welcher Tageszeit?

In der Regel ist es so, dass Interferon einmal in der Woche gespritzt wird. Die Tabletten werden in Kombination täglich eingenommen. Die Dosis bestimmt der Arzt.

+++++

Gibt es spezielle Anweisungen dafür, wie die Medikamente aufzubewahren sind?

Das Interferon (die Spritzen) muss im Kühlschrank gelagert werden. Die Tabletten bewahrt man bei Raumtemperatur auf.

+++++

Gibt es Interaktionen mit anderen Medikamenten, Ernährung, Sonnenlicht, Alkohol usw.?

Jeder Organismus reagiert verschieden. Alkohol sollte auf jeden Fall gemieden werden. Auch andere „Gifte“, wie z.B. Nikotin, werden von der Leber verarbeitet und belasten diese. Hier sollte auch auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

+++++

Was sind die Nebenwirkungen dieser Behandlung und wie oft treten sie auf? Wie lange werden die Nebenwirkungen andauern?

Die Nebenwirkungen sind in der Packungsbeilage der Medikamente beschrieben. Erfahrungsgemäß kann ein Teil der Nebenwirkungen auftreten, das ist je nach Organismus verschieden. Die Nebenwirkungen klingen nach Beendigung der Therapie wieder ab, das kann aber bis zu 6 Monate und länger dauern.

+++++

Was passiert, wenn ich während der Therapie schwanger werde?

Eine Schwangerschaft muss auf jeden Fall ausgeschlossen werden/sein. Wie schon erwähnt, ist das Medikament Ribavirin erbgutschädigend.

+++++

Inwieweit beeinflusst die Therapie mein Sexualleben?

Hier ist es auch wieder von Fall zu Fall verschieden. Es kann beim Mann zu Erektionsstörungen kommen sowie bei der Frau zu sexueller Unlust. Aber auch das geht nach Beendigung der Therapie wieder zurück.

+++++

Kann ich die Therapie jederzeit beenden, sollten mich die Nebenwirkungen zu sehr negativ beeinträchtigen?

Ja, möglich wäre es schon, nur ist dann natürlich der Erfolg der Therapie kaum gegeben. Je nach Art der Nebenwirkung kann Ihr Arzt Ihnen eventuell helfen, bevor es wirklich zu einem Abbruch kommt.

+++++

Wie und wo soll ich spritzen?

Das Peg-Interferon wird ca. 15 - 30 min vor der Verwendung aus dem Kühlschrank geholt, damit es sich ca. auf Raumtemperatur erwärmen kann.
Um Infektionen zu vermeiden, waschen Sie sich bitte gründlich die Hände mit Seife.
Überprüfen Sie, ob das Medikament eine klare Flüssigkeit zeigt oder Trübungen vorhanden sind. Verwenden Sie die Lösung nicht, wenn Ausflockungen oder Verfärbungen enthalten sind.
Vorbereitung: Bereiten Sie die Injektionslösung nach Anleitung des Arztes und des Herstellers vor.

+++++

Wie spritze ich selber?

Bei der Erstanwendung wird Ihr Arzt oder eine andere Fachkraft Sie genau anleiten. Wenn Sie mit der Prozedur vertraut sind, können Sie das jederzeit auch alleine und zuhause anwenden. Bei Unsicherheiten bitten Sie Ihren Arzt um Unterstützung.
Führen Sie die Injektion an einem gut beleuchteten Arbeitsplatz durch.
Desinfizieren Sie die Injektionsstelle mit einem alkoholischen Reinigungstupfer.
Bilden Sie mit Daumen und Zeigefinger eine lockere Hautfalte. Mit der anderen Hand halten Sie die Injektionsspitze locker ähnlich einem Bleistift.
Führen Sie die Injektionsnadel in einem Winkel von 45° - 90° vollständig in die Hautfalte ein.
Jetzt drücken Sie die Injektionslösung langsam und gleichmäßig bis der Kolben unten ist.
Nach der Injektion ziehen sie die Nadel wieder gerade heraus und drücken für einige Sekunden mit einem sterilen Tupfer die Wundstelle. Massieren Sie auf keinen Falls die Stelle. Falls etwas Blut austritt versorgen Sie die Wunde mit einem Wundpflaster.
Geben Sie die Spritze in einen Entsorgungsbehälter und nicht in den Hausmüll!
Um Hautreaktionen möglichst zu vermeiden, ist auf die hygienische Anwendung zu achten.
Wechseln Sie bei jeder Injektion die Einstichstelle, um Hautschäden zu vermeiden.
Setzen Sie die Injektionsstellen nicht direktem Sonnenlicht aus.

+++++

Wo kann ich spritzen?

Wählen Sie die Injektionsstelle am Bauch oder Oberschenkel, der Bereich Gürtellinie, Bauchnabel und Leiste sollten ausgespart bleiben.

+++++

Wie bewahre ich Peg-Interferon auf?

Das Peg-Interferon sollte lichtgeschützt bei 2° - 8° im Kühlschrank in der Originalverpackung aufbewahrt werden.
Bei Transporten sollte es in einer Kühltasche transportiert werden.

+++++

Muss eine Gallenblase mit Steinen immer entfernt werden?

Viele Menschen haben Gallensteine, aber nicht alle Patienten bemerken diese. Bei diesen Patienten ist es nicht nötig, die Gallenblase zu entfernen. Nur bei Patienten, die Beschwerden aufgrund der Steine haben, sollte die Gallenblase entfernt werden.

+++++

Wie oft muss bei der Eisenspeichererkrankung ein Aderlass durchgeführt werden?

In der ersten Phase sollte etwa einmal pro Woche ein Aderlass (ca. 500 ml Blut) erfolgen. Sobald sich die Eisenwerte normalisiert haben können die Abstände zwischen den einzelnen Aderlässen verlängert werden. Dauerhaft sind etwa vier bis zwölf Aderlässe im Jahr anzustreben.

+++++

Gibt es eine Impfung gegen Hepatitis C?

Es gibt leider noch keinen Impfstoff gegen Hepatitis C. Viele Wissenschaftler, auch in Deutschland, arbeiten daran.

+++++

Schützen wirklich alle Impfungen? Kann man nach der Impfung testen, ob Impfschutz besteht?

Wir müssen zwischen den Hepatitis-Viren unterscheiden, für die eine Impfung zur Verfügung steht. Wahrscheinlich besteht nach einer Hepatitis A-Impfung ein lebenslanger Schutz. Die Impfung ist seit gut 15 Jahren zugelassen und es sind keine Infektionen nach erfolgreicher Impfung bekannt. Das ist leider nicht im gleichen Maße der Fall für die Impfung gegen Hepatitis B. Hier gibt es in 5 bis 10 % sogenannte "Impfversager". Diese Rate kann sogar noch höher sein bei älteren Menschen oder solchen mit einem eingeschränkten Immunsystem. Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine Infektion haben (z. B. Personen in medizinischen Berufen, Angehörige von Hepatitis B-Patienten, Drogenabhängige), sollten ihren anti-HBs-Titer kontrollieren lassen. Wenn das anti-HBs auf < 10 U/l abgefallen ist, kann trotz Impfung das Risiko für eine Infektion vorhanden sein.
+++++

Sorgt das Hep-C-Virus für zusätzliche Herz- und Nierenerkrankungen sowie für Tumore der Schilddrüse, Prostata und Speiseröhre?

Eine im Juli 2012 in der Zeitschrift "Jounal of Infectious Dideases" von Lee und Kollegen aus Taiwan veröffentlichte Studie sorgt für Aufregung. Danach steigt für chronisch an Hep-C Erkrankte das Risiko, auch an andere, nicht auf die Leber bezogene Erkrankungen zu versterben. Hierin wurde gezeigt, dass Herz- und Nierenerkrankungen, Tumore der Schilddrüse, der Prostata und der Speiseröhre bei Anwesenheit des Hep-C-Virus vermehrt auftraten.

Es wurde weiterhin in dieser Langzeit-Beobachtungsstudie gezeigt, dass, bei Eliminierung des Hep-C-Virus, bei diesen nicht auf die Leber bezogenen Erkrankungen das Versterbungsrisiko reduziert war.

Dies zeigt überdeutlich, wie wichtig es ist, frühzeitig die Hep-C-Erkrankung zu erkennen und das Hep-C-Virus zu eliminieren.
Inwieweit die Ergebnisse von asiatischen Personen auch auf Europäische übertragbar sind, muss noch geklärt werden.

++++

Ist jetzt Hepatitis C heilbar oder nicht?

Immer wieder wird uns von Betroffenen diese Frage gestellt, da sie Gegenteiliges hören. Hierzu sei vermerkt, dass sowohl amerikanische, europäische und letztlich auch die deutschen Hepatitis-C-Leitlinien bestätigen, dass die Hepatitis-C-Erkrankung heilbar ist. Dies wurde auch dadurch nachgewiesen, dass die Hepatitis-C im Gegensatz zu Hepatitis-B oder HIV im Körper keine Langzeit-Reservoirs anlegt.

++++

Ist das Hepatitis-C-Virus von allen anderen Hep-Viren die schlimmste Variante?

Nein.
Die Hepatitis B und auch D schädigen im ungünstigen Fall die Leber deutlich schneller als die Hepatitis C. Zum Beispiel kann besonders die Hepatitis B selbst nach ausgeheilten Infektionen noch nach Jahrzehnten wieder aktiv werden, wenn durch eine Erkrankung wie AIDS, eine Chemotherapie oder eine Knochenmarktransplantation eine weitere Schwächung des Immunstatus des Körpers erfolgt.

+++++

Ist der Genotyp 1b der schlimmste Genotyp?

Nein.
Ib ist besser. Viele Studien haben gezeigt, der HCV-Genotyp 1b lässt sich besser ausheilen als der Genotyp 1a. Aber hier ist eine neue Hoffnung in Sicht. Hochwirksame Therapiemöglichkeiten gegen den Genotyp 1a werden - zwar in kleiner Auswahl - in naher Zukunft zur Verfügung stehen.

+++++

Haben Sie weitere Fragen? Dann teilen Sie uns diese bitte mit, um auch anderen Betroffenen hier Hilfe geben zu können. Vielen Dank.



Ernährung

Was muss ich unter ausgewogener, hochwertiger und abwechslungsreicher Ernährung verstehen?

Ausgewogen heißt
: nicht zuviel von nur bestimmten Nahrungsmitteln in sich hineinstopfen, längere Fastenpausen zu vermeiden und regelmäßig, oft mehrmals am Tag, kleinere Portionen zu essen.

Hochwertig heißt: blähende, halbgekochte oder gegarte Speisen, die nur den Magen füllen, zu vermeiden, stattdessen aber auf ausreichende Kalorienzufuhr (Kohlenhydrate), Fett- und Eiweißstoffe und auf die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien Wert zu legen.

Abwechslungsreich heißt: die ganze reichhaltige Palette des Nahrungsangebotes auch tatsächlich auszunutzen.

Hochwertige und abwechslungsreiche Nahrung ist heute zu jeder Jahreszeit in reichem Maß erhältlich. Besonders wichtig ist die Zufuhr von Faserstoffen, die in Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Nüssen und Kartoffeln enthalten sind.



Psychotherapie

Ich bin an einer chronischen Hepatitis C erkrankt. Ist das nicht wie ein Stempel, den man für sein ganzes Leben mit sich herumträgt?

Nein. Jeder von uns wird einmal krank. Der Begriff "chronisch" heißt ja nicht, dass die Symptome der Erkrankung immer gefühlt oder gegenwärtig sind. Im Vergleich zu früheren Zeiten sind heute alle Krankheitsphasen wesentlich besser therapierbar. Die verstärkte Forschung nach den Krankheitsursachen und die Entwicklung besserer Medikamente erhöhen außerdem die Wahrscheinlichkeit, einer medizinischen Heilung immer näher zu kommen. Das sollte man nie vergessen.

Wie kann ich lernen, mit meiner Krankheit besser umzugehen? Gibt es Eigenschaften oder eine spezielle persönliche Einstellung, um einen für mich günstigen Krankheitsverlauf zu ermöglichen?

Ja, diese Einstellung gibt es ohne Zweifel. Akzeptieren Sie Ihre Erkrankung ohne Schuldgefühle, ohne Scham gegenüber sich selbst oder gegenüber anderen Personen.

Jeder Patient soll über seine Erkrankung mit anderen reden können und versuchen, aktiv und hoffnungsvoll sein Leben so reichhaltig wie möglich zu gestalten. Das hilft auch der Familie und Freunden, Ihre Erkrankung als einen Teil der Beziehung zu Ihnen zu akzeptieren.

Wie kann ich einer entsprechenden Einstellung zu meiner Krankheit näher kommen?

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die eigene Einstellung gegenüber Problemen zu verändern, um dadurch die Probleme lösbarer zu machen. Voraussetzung hierfür ist aber Ihre Bereitschaft, die angebotene Hilfe zunächst einmal "auf sich zukommen zu lassen".

Suchen Sie als ersten Schritt den Kontakt zu Ihrer Selbsthilfegruppe. Hier erfahren Sie verständnisvolle Hilfe und Unterstützung zu Ihren Problemen. Dort erfahren Sie umfassende Kenntnis, wie Ihre Erkrankung verlaufen kann, welche Maßnahmen getroffen werden, was dem einzelnen geholfen hat etc. So erleben Sie ein Gefühl, mit Ihren Problemen nicht alleine zu sein. Zumal diese Gespräche auch in einer Atmosphäre stattfinden, die für Sie wesentlich angenehmer ist als es je in einer Arztpraxis sein könnte.

Weiterhin erlernen Sie in offenen Gesprächen mit Arzt, Freund oder Partner oder mit Dritten "Methoden" wie z.B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen etc. zur Entkrampfung der psychischen Belastungen. Oder holen Sie sich psychologische Hilfe. Scheuen Sie sich nicht davor.



Gesunde Leber

Wie halte ich denn meine Leber im allgemeinen gesund?

Um die Gefahr einer nichtalkoholischen Fettleber und eines metabolischen Syndroms möglichst klein zu halten, sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung, treiben Sport und bewegen Sie sich entsprechend.

Trinken Sie relativ wenig Wein, Bier und andere alkoholische Getränke. Alkohol hat fast so viele Kalorien wie Fett. Da er gleichzeitig den Fettabbau im Stoffwechsel hemmt, fördert er so die Entstehung von Übergewicht und einer Fettleber.

Haben Sie Fieber oder Schmerzen, nehmen Sie im Rahmen einer Selbstmedikation rezeptfreie Schmerz- oder Erkältungsmittel nicht länger als drei Tage ein. Hält Ihr Kranksein an, konsultieren Sie einen Arzt.

Im Rahmen einer Vorsorge können Sie zur Vermeidung einer Hepatitis A oder B sich wirksam impfen lassen. So erzielen Sie eine weitgehende Immunisierung.



Experten der Deutschen Leberstiftung antworten

Wenn Sie Ihre Fragen an Experten der Deutschen Leberstiftung per E-Mail senden wollen, hier ist die Adresse: patienten@deutsche-leberstiftung.de. Sie erhalten umfassend Auskunft.




 

Wichtige Information

Druckbare Version